So, gerade von Jena zurück, wo wir, egal wie andere das sehen, verdient gewonnen haben, und einigermaßen wieder ausgeschlafen, zog es mich halt schon wieder fort. Diesmal nach Hamburg, noch weiter weg aber genau so zuversichtlich. Übrigens, nur wegen der Statistik, der SCF hat gegen den HSV 3:1 verloren. Supporters-Bus, was sonst, Abholung in Emmendingen, was sonst, um 06,30 Uhr. Eine Person, was sonst, aber kein Gemurre. Der Bus, total neu und schon äußerlich so schön, dass ich ihn gar nicht als „unseren“ beachtet habe. Erst als eine der beiden Busbegleiterinnen (die mit den kürzeren Haaren) raus kam, um zu fragen, ob ich denn nicht einsteigen wollte. Auch innen ein toller neuer Bus und , welche Überraschung, gut 40 Leute und einige Freunde, denen man irgendwann mal ein Stadionverbot ausgesprochen hatte haben sich da spontan zusammengefunden, um die Reise nach Hamburg mit uns zusammen zu machen. Ich kann Euch sagen, eine gelungene Überraschung, die auch mich sehr fröhlich gestimmt hat. Übrigens gestern, am Sonntag, war „Halbzeit“.
Soll heißen, ab jetzt geht es permanent Berg ab und ein Ende ist absehbar. Also eine tolle Stimmung im Bus und ein ebensolcher Tag begann. Nur noch zwei drei einzelne Zuladungen und ab ging die Post. Alt vertraute Gesänge beglückten meine Ohren und auch längst vergessene „Bräuche“ sind wieder aufgerufen worden. Wann habe ich zum letzten Mal zugesehen, wie wer am schnellsten eine Flasche ausgetrunken hat? Manche versuchten sich auch an einer Zweiten, jedoch ist das dann doch ohne permanentes Üben nicht möglich, wie es eindrucksvoll von einem „Könner“ demonstriert wurde. Also, genügend zu Trinken, genügend Beinfreiheit, eine intakte Toilette, die richtige Musik und zu später Stunde dann auch noch einen Film, was mag man da noch mehr. Ich selber habe mir angewöhnt, einige gut belegte Brote von zu Hause mitzunehmen. Das kommt gut und ist wirklich besser als Chips oder so was vom Rastplatz. Wir fuhren also von Rastplatz zu Parkplatz oder umgekehrt und hatten Spaß.
Hamburg ist noch weiter weg wie Jena aber irgendwann kamen dann die offiziellen „Eskorten“ und geleiteten uns zum Stadion. Ja, richtig gehört, nicht zum Endhaltepunkt Hamburg-Landungsbrücken, sondern zum Stadion. Gut und schön, hatten wir dann eben nach Spiel Ende den Weg via U-Bahn da runter zu nehmen. Später kam dann noch der FG-Bus, weitere 17 Fans, der erstaunlicher Weise vor Ort bleiben konnte. Weiß der Geier, warum das mit unserem nicht ging. Schnell verbreitete sich daher das Gerücht, man könne nach Spielende zusammen im FG-Bus, der unmittelbar vor dem Gästeeingang parkte zum eigentlichen Ausgangspunkt (Hamburg Landungsbrücken) gebracht werden. Wie gesagt, zwar schön anzuhören, aber eben ein Gerücht.
Die Busleitung des FG-Busses machte uns bei Spiel-Ende sehr schnell und unmissverständlich klar, dass das nicht möglich war. Ich glaube, es hätten einige von uns während der Fahrt stehen müssen, und das ist dann doch in einem FG-Bus nicht möglich. Also, klare Ansage, es gehen nicht alle rein, es werden keine Ausnahmen gemacht, es fährt eben keiner mit. Basta, Ende der Ansage. Ein reichlich enttäuschtes Häufchen unglücklicher Fans, die nun auf die Hilfe und Unterstützung der „Szenekundigen“ aus Freiburg und deren Kollegen aus Hamburg angewiesen waren. So weit so gut. Man stand halt zusammen und wartete. Ich habe die Gelegenheit dazu benutzt, um Daheimgebliebene vom Ergebnis in Kenntnis zu setzten. Das war ein Kapitalfehler.
Denn, während ich mich vertrauensvoll in mein Handy-Gespräch vertiefte, kamen die „Helfer“. Sie eskortierten das Häuflein und marschierten einfach los Richtung U-Bahn, mitten durch 1000e von HSV-Fans, die blöder Weise wohl alle zur Bahn wollten. Ich schaue hoch, Schei… wo sind sie denn alle. Ein Anruf auf meinem Handy bestätigt meine schlimmsten Befürchtungen. Sie waren weg. Keinem ist aufgefallen, dass da der alte Mann ja gar nicht dabei war. So viel zu Freundschaft, Zusammengehörigkeitsgefühl, Kameradschaft und gegenseitige Verantwortung. Wenn`s halt mal drauf ankommt, ist sich doch jeder der Nächste und Du musst halt schauen wo Du bleibst. In meinem Fall sehr weit hinter dem schützenden Convoi, den ich nun mit so raschen Schritten, wie sie mir möglich waren, so unauffällig wie irgend möglich an den dahinschlendernden HSV-Fans vorbei unter meine „Eisenhüfte“ nahm. Ich gebe zu, ich habe mich schon besser gefühlt und auch der Kontakt war mehr auf den Boden gerichtet denn in die Gesichter an denen ich vorbeihastete. Bis endlich eine vertraute Stimme mich aufblicken ließ und ich wieder bei den „Meinen“ war. OK, Natürlich habe ich diese Situation nicht weiter zum Gespräch gemacht, es war ja eh schon geschehen. Aber eines ist halt auch mir klar geworden, da war „Keine“, da war „Keiner“ von all den „Freundinnen“ und „Freunden“, denen aufgefallen ist, dass da der alte Mann nicht mehr dabei war und Halten und Warten zumindest von Einzelnen, das ging dann wohl gar nicht.
OK hör halt auf zu maulen, selber Schuld, telefonieren hättet Du auch noch später können. Das alles war ja auch bloß der Auftakt zu dieser spektakulären Super-Idee nach Spiel-Ende noch einige Stunden in Hamburgs Amüsier-Meile zu verbringen. OK, vielleicht für einige Jüngere, die davor noch nie in Hamburg, geschweige denn „da“ in Hamburg waren, sicher ein kleines „Erlebnis“. Jedoch für mich, als gebürtigen Hamburger aus Eppendorf eher nicht. Es gab überhaupt kein Programm, es war kalt, ich war müde und der „Anker“, den sich wohl die Meisten auserkoren hatten, war sehr schnell so voll, dass das meiste „Programm“ außerhalb, direkt vor dem Eingang in die berüchtigte Herbertstrasse verlegt werden musste. Auch der Besuch in der Nachbar-Kneipe war nicht unbedingt der Bringer. Zumindest war es da aber nicht so voll und man konnte Anfangs sogar noch einzelne Zusammenfassungen von parallel verlaufenen Spielen auf einer Großleinwand verfolgen. Allerdings das, ohne Ton. Später kam da dann noch ein Spielfilm, (ebenfalls ohne Ton) da war so ergötzlich, dass ich es vorgezogen habe, eine zweite Runde, jetzt über die Nebenstrassen der Reeperbahn zu machen.
Ich will das alles nicht schmälern, vielleicht hat es ja der Einen oder dem Einen sogar gefallen, aber eines ist auch ganz sicher, alle, alle waren danach so müde, dass mindestens 80 % der Businsassen binnen kürzester Zeit im Tiefschlaf versunken war. Einzige Ausnahme wohl der Fahrer. Die Beiden hatten jedenfalls ein Zimmer gebucht und kamen ausgeschlafen zur Abfahrt.
Die zwei St.Pauli-Hemdchen, die ich auf besonderen Wunsch meines ältesten Sohnes für dessen Kinder für sche… viel Geld erstanden habe, waren natürlich nicht in der richtigen Größe. Nun hat er zurückrufen müssen, die von mir erworbenen zurückschicken müssen und einen Umtausch bewerkstelligen. Sicher wäre ein „normaler“ Erweb via Internet sehr viel einfacher gewesen. Sei`s drum, ihr kennt mich, ich habe das alles schon längst wieder verdrängt. Ich habe schon wieder das Riesen-Erlebnis eines Heimsieges hinter mir und freue mich auf das kommende Wochenende, wo ich am Sonntag in Fürth für unsere Mannschaft brüllen werde. Gebe mir Gott, dass das noch recht lange so weiter geht.
Was ist eigentlich los? Warum schreibe ich Euch da eigentlich so viel Privates von mir?
Ach ja. Der Grund dieser hier so ausführlich beschriebenen Fahrt war ja der Versuch, im DFB-Pokal eine Runde weiter zu kommen. Viele von uns waren da höchst zuversichtlich. Auch ich. Motto: „Wir packen doch alle.“ Das Spiel begann auch sehr zuversichtlich und der SCF ging alsbald mal schon in Führung. Es war jedoch schon etwas vermessen vom Zweiten in der Zweiten Liga und vom Zweiten in der Ersten Liga Vergleiche zu suchen. Der HSV hat schon routinierter aufgespielt und um es kurz zu machen, die haben auch die besseren Holländer. Freiburg hat sich gut gezeigt und braucht sich hinter seiner abgegebenen Leistung nicht zu verstecken. Wäre schon schön gewesen, sollte aber nicht sein. Wer nun aber geglaubt hat, dass ein solches „Ergebnis“ in einer sog. englischen Woche unsere Jungens aus dem Trapp gebracht hätten, den kann ich beruhigen.
Gestern zu Hause gegen Koblenz hat es sich schon wieder gezeigt, was in dieser neu zusammengestellten Mannschaft steckt. Ein äußerst turbulentes, höchst unterschiedliches Spiel hat zumindest eines klar herausgestellt. Diese Jungs sind nicht zu schocken. Die lassen sich nicht unterkriegen. Zuschlagen, zwei zu null in Führung gehen, leicht (zu) euphorisch werden, in 6 Minuten zwei Gegentore bekommen, nicht resignieren, gleich weitermachen und das Spiel mit 4:2 gewinnen. Das ist der Kampfgeist, das ist der Spaß, das ist es, was ich so lange vermisst habe und das ist es, was mich zu jedem Spiel, egal wo und egal wie lange, gehen lässt.
Es macht wieder Spaß dabei zu sein, und es erfüllt zumindest mich mit Stolz dazuzugehören.
Wie gesagt, nächsten Sonntag, Fürth, ich komme, und Ihr, die ihr nicht mitfahrt, könnt „nur“ warten, bis ich Euch meinen Bericht zugeschickt habe. Aber keine Bange, er kommt. Bis da hin, schaut auf meine Bilder und seid neidisch.
Ich grüße Euch, Euer Schriftführer.