Sonderzug zur Borussia nach Mönchengladbach

Wieder mal so ein „Erlebnis“ wie es nie irgendjemand hätte voraussagen können. Getreu der Erfahrung: Gegen vermeidlich schwächere Gegner tut sich unser SCF besonders schwer, was nicht immer, aber doch extrem oft im Gegenteil zeigt, dass sie beim vermutlich stärkeren Gegenspieler gewinnen können und zwar egal ob zu Hause oder in der Fremde. Gestern war es wieder so ein Tag.

Die Fangemeinschaft hat extra für das letzte Auswärtsspiel einen Sonderzug gemietet, der mit mehr als 600 Freiburg-Fans nach Gladbach brauste. Sozusagen im Vorverkauf konnte man sich da einen verbilligten Platz ergattern, was ich erfolgreich getan habe. „Ich“ hatte die allererste Reservierung und eine ermäßigte Eintrittskarte, sodass ich das gesamte „Vergnügen“ für 57,00 Euro hatte. Soll jetzt natürlich nicht heißen, dass ich sonst nichts gebraucht hätte, nein, der Mensch lebt ja nicht vom Fußball alleine, gell. Aber von vorne. Zuerst möchte ich den zahlreichen Helfern, Betreuern und Begleitern ein dickes Lob aussprechen. Es ist keine Kleinigkeit so ein Spiel auswärts zu organisieren. Was da alle dazugehört und ineinander gehen muss, können wir „normalen“ Fans uns nur schwer vorstellen. Wenn dann am Schluss noch vermeldet werden kann, es ist alles, aber auch alles höchst harmonisch und friedlich verlaufen, dann ist das nicht nur schön, sondern auch ein krönender Abschluss eines gelungenen Fußball-Tages. Der einzige „Zwischenfall“ war eine zu Bruch gegangene Scheibe im Zug, die jedoch von einem wohl betrunkenen Gladbach-Fan geworfen wurde und das so blöd, dass er sich hat erwischen lassen und wird nun sicher gehörig zur Kasse gebeten. Wie gesagt, bei uns keinerlei Zwischen – oder Ausfälle geht man mal davon aus, dass einzelne sich um einzelne extrem Sorgen gemacht haben. Ein Beispiel für alle Anderen.

Sehr zu meiner Freude sind zu dieser Reise viele Freunde unter Anderem auch aus meinem Fanclub mit dabei gewesen. Ich betone das extra, denn es ist die absolute Ausnahme. Sonst fahre ich zu jedem Auswärtsspiel ohne dass irgendjemand Notiz davon nehmen würde. Nur, wenn der dazugehörige Bericht und eine Auswahl der Bilder dazu nicht rechtzeitig zur Verfügung stehen, dann kann es passieren, dass sich wer dran erinnert und stets bei mir anfragt, obwohl ja mittlerweile jeder wissen sollte, dass mein Bericht auf der Home-Page der Dreisam Bobbele zu lesen ist, und das was da geboten wird muss halt erst vom Vorsitzenden eingestellt werden. Und der hat halt nicht immer so viel „Freizeit“ wie ein Rentner, so wie ich es bin. Aber es sei an dieser Stelle auch gesagt, man bemüht sich, die Lust am Bilder- Schauen so schnell wie möglich zu befriedigen. Jetzt waren ja sowieso sehr viele dabei und es sind nicht mehr die große „Menge“ die auf Ergebnisse wartet.

Also zurück zum Zug, zurück zu den Organisatoren und den zahlreichen Akthören. Eingesetzt wurde er ab Freiburg. Ich bin zusammen mit Anderen in Emmendingen zugestiegen. Nur einige wenige Bilder die auch das Transportgeschäft der nötigen Getränke zeigen soll. Einige haben da schon geglaubt es gäbe im Zug nichts oder nicht genug und haben entsprechend vorgesorgt. Es ist für mich immer wieder faszinierend, wie einzelne so früh am Morgen schon Bier und Hochprozentiges verkraften. Unser ehemaliger „guter Geist des Fan-Hauses“ hatte Geburtstag und so begann auch mein Alkoholspiegel schon sehr früh zu steigen. Er sollte sich im Verlauf dieser Reise so ziemlich verselbstständigen, sodass diverse Freunde und Familienangehörige sich doch recht vehement meinen Kopf zerbrochen haben. Ein für alle Mal. Natürlich ist es ein verdammtes Risiko, wenn man mit Alk im Kopf fröhlich zum eigenen PKW schreitet, um den Rest der Reise zu bewältigen. Aber die freiwilligen „Helfer“ sind doch verdammt noch mal nur einmal pro Jahr mit dabei. Wenn was passieren sollte, kann das doch an jedem zweiten Wochenende der Fall sein. Bisher hatte ich einfach ein Sau-Glück und ich hoffe, es hält noch eine Weile an, denn mit fast 70 Jahren werde ich wohl nicht mehr im Stande sein, mir meinen Führerschein zu erneuern, falls man selbigen wegen Trunkenheit einbehalten hat. Ich bin mir doch dessen bewusst, aber auch, es ist doch „MEIN“ Risiko, oder. So, genug davon geredet, es gib noch anderes.
Zum Beispiel das extrem schöne Wetter, die extrem schöne Aussicht entlang des Rheins vorbei an Schlössern, Burgen und dem Loreley Felsen. Ich war zwar schon öfter in Gladbach, habe aber trotzdem wieder mal so eine tolle neue Fußball-Arena sehen dürfen. Wenn man bedenkt, dass das im Grunde ja auch „nur“ Zweit-Liga-Stadien sind, dann muss ich mich nicht wundern, dass sie fast alle Namen bekannter Versicherungen tragen.

Der Zug war überpünktlich und wir wurden von zahlreichen Bussen der Verkehrs-AG empfangen, die uns problemlos vom Bahnhof zum Stadion brachten. Verhältnismäßig leichte Kontrollen. Ich z.Bsp. wurde als älterer Herr einfach nur durch gewunken, nachdem ein eifriger Ordner mir gezeigt hat, wie das mit der automatischen Eingangskontrolle funktioniert. Sicher dachte der, ich hätte so was vorher noch nicht gesehen. Ich bedankte mich und ließ ihn in dem Glauben. Tolle, wirklich tolle Stimmung im Fan-Käfig und so viele Fans, ich war begeistert. Das Spiel begann flott und bald wurde auch ersichtlich, dass gewisse insgeheim erhoffte Eigenschaften des Gegners in Bezug auf den bereits vollzogenen Aufstieg und uns als befreundeten Gegner leider nicht zum Tragen kamen. Nein, keiner schenkte da dem Anderen etwas. Trotzdem waren wir es, die zuerst Grund zum kollektiven Jubel hatten. Wir sind in Führung gegangen. Wir haben nachgelegt. Der Gegner, der zeitgleich auf anderen Plätzen kämpfte versagte und ließ uns erneut jubeln. Was eine geile Zeit, wie toll war das denn.

Schon wieder die „Rechenkünstler“ unter den Zuschauern, die versuchten uns davon zu überzeugen, dass wir nun aber ganz sicher wieder die Chance hätten, doch noch aufzusteigen. Einfach eine super geniale Stimmung als die Halbzeit war. In der Pause hatte man unserem Gegner wohl recht deutlich gesagt, was da gerade so abgeht. Denn nun waren es die Borussen, die höchst energisch und leider auch erfolgreich zur Sache gingen. Schnell stand es 1:2 und wir begannen wieder zu bibbern. Aber dann das 3:1 und das spätere 3:2 war das ersehnte Endresultat. Wer hätte das gedacht? Was ein Theater. Nun fängt das alles wieder von vorne an.

Es wird vom Aufstieg geträumt, je nach Temperament lauter oder leise, aber fast alle hoffen auf das letzte Heimspiel gegen Wehen, als seien diese kein schwerer „Brocken“. Ich will nur warnen. In so einer Situation, soll heißen beim letzten entscheidenden Spiel gibt es nur noch schwere Brocken. Ich sage, unsere Möglichkeiten sind eher bescheiden anzusehen und ich sage weiter, vielleicht ist es ja auch ganz gut so. Sollen die jungen Leute doch noch ein Jahr in der Zweiten Liga zusammenspielen, sich aufeinander einspielen, eine gefürchtete und beachtete Mannschaft werden und dann im nächsten Jahr gefestigt und gesattelt problemlos aufsteigen. So hat halt jeder seine eigenen Wünsche und Vorstellungen. Das da eben waren halt „meine“.

Die Rückreise ist eigentlich schnell erzählt. Der gut funktionierende Transfer zum Zug, die pünktliche Abfahrt (bis auf den Depp aus dem Zug vom Nachbargleis), die übergroße Freude, das schöne Wetter, die überall spürbare Verbrüderung in Hoffnung und Glauben auf das noch Bevorstehende. Und das alles verbunden mit reichlich, für mich wohl eher etwas zu reichlichem Konsum von „Alk“. O.K. ich habe das schon genügend gewürdigt. Nur so viel, heute Morgen stand das Auto brav vor dem Haus und, wenn es denn dazu beiträgt, dass ich etwas mehr Vorsicht walten lassen hat es doch auch den erhofften Erfolg gehabt. So, das war`s mal für die Rückrunde des SCF.

Wir starten nach der Pause eine neue Hinrunde, gestärkt und zuversichtlich aber voraussichtlich doch eher wieder in der Zweiten Bundesliga. Das tut dem allen keinen Abbruch. Wenn ich kann werde ich wider mit dabei sein und Euch hautnah und hoffentlich spannend genug davon berichten. Bis da hin, macht`s alle gut und bleibt mir ergeben,

Euer Schriftführer Jochen Knoll.