Hallo Freunde,
wir waren dreißig Fans im Supporters-Bus und laut Aussage von Marc noch mal 17 im FG-Bus. Die bekannte Situation, verhärtet und doof. Einige wollen halt nicht in „den“ Bus, und die Anderen nicht in den Anderen. Schade, aber wohl nicht zu ändern. Zumindest nicht von mir. Also wir knapp 50 aus Freiburg (Südbaden) angereiste Fans vereinigten uns zwanglos mit weiteren Freiburg-Sympathisanten aus der Umgebung von Jena. Letztere deutlich erkennbar an spärlichem Schal und sehr altem Trikot. Aber doch engagiert, verwundert, neugierig und letztlich auch begeistert über ihre angereisten Fans aus FR. Aber zurück zum Anfang.
Pünktlich um 5:30 Uhr stand ich zusammen mit Crespo (Gott sei Dank diesmal nicht ganz alleine) am Haltepunkt Emmendingen Messeplatz und freute mich. So, wie ich mich komischer Weise eigentlich immer (noch) auf solche Fahrten freue. Die Stimmung war aber eher gedämpft. Es stellte sich heraus, dass es dem Bus-Fahrer nicht gefallen hat, wegen zwei Personen über Emmendingen zu fahren. Dieses, sein Verhalten, machte sich später leider immer öfter bemerkbar und gipfelte in der verlogenen Aussage, die Toiletten-Anlage sei leider defekt und nicht benutzbar. Später auf der Rückfahrt hat er sich mir gegenüber geoutet, dass er nur, da es ja spät in der Nach sei bei der Rückankunft, er überhaupt keine Lust mehr hätte, nun auch noch das Klo zu reinigen. Ja Freunde, solches Personal gibt es auch und leider sieht man es denen vorher nicht an, sonst wären wir vielleicht gar nicht erst losgefahren mit so einem Kotz…
Es herrschte eine eisige Friedhofsstimmung, weil leider keine Musik-CD eingelegt werden konnte, da ja das Navi im Betrieb war. Dieses hat ihn aber offensichtlich nicht davon abgehalten, sowohl in der Hin- als auch in der Rückfahrt in einen Mega-Stau zu fahren. Ich ließ mich aber davon nicht unbedingt beeinflussen und genoss die Fahrt zumal das Platzangebot meinen langen Beinen durchaus entgegen kam. Wie gesagt, die richtige Stimmung konnte einfach nicht aufkommen. Obwohl mehrfacher Versuche gemeinsam zu singen und später, höchst kreativ, mittels mitgeführtem Megaphon und auf Handy gespeicherter Musik die Stille zu durchbrechen. Aber was soll’s. Supporters-Bus, Getränke inklusive, man wusste sich zu helfen und hat sich halt anderweitig betätigt. Wobei wieder mal einer ganz besonders viel Aufmerksamkeit erfahren hat und das, obwohl er sich stets vehement dagegen wehrt. Vielleicht ist das ja sein Trick und wer neidisch ist, kann es ja mal selber probieren. An uns vorbei rauschte ein wunderschöner Morgen, ein ebenso schöner Mittag und Nachmittag. Der Bus war schei… oder der Fahrer, wer weiß das hinterher. Mal war es so heiß, dass man am Liebsten nur im Unterhemd dagesessen wäre und dann wieder so kalt, dass man seine Jacke suchen musste. Alle 15 bis 20 Minuten wurde ein Antrag auf „Pinkel-Pause“ gestellt und tatsächlich mussten wir schon ca. stündlich irgendwo raus, um die gestressten Blasen zu beruhigen. Was ein Blödsinn, mit jugendlichen Fußball-Fans zu einem Auswärtsspiel zu gehen, ohne eine Bord-Toilette.
Wir fuhren also recht bald von heimischen Holper-Pisten, wie sich hier bei uns die Autobahnen präsentieren, in Richtung neue Bundesländer. Unendliche Weiten, nicht durch geplante Überbauung gestört präsentierten sich dem Betrachter. Kilometerweit nichts als unverdorbene Landschaft. Aber… Wir fuhren über hunderte von km über modernste, beispielhaft ausgebaute zwei und dreispurige Autotrassen. Tunlichst mittels unzähligen Viadukten und konvortabel beleuchteten und belüfteten Tunnelanlagen auf gefälligem, gleichmäßigem Gefälle gehalten und nur großzügig unterbrochen von riesigen Parkplatzanlagen, in Größenordnungen, wie wir sie uns hier nicht vorstellen können. Alles in Allem eben so, wie sich der „Autofahrer“ wohl den Auto-Himmel vorstellt. Nur ein kleiner Fehler war doch deutlich auszumachen. Es gab nämlich keine Auto`s will heißen, nur sehr wenige. Die haben so wenige, dass sie nicht mal den doch recht umfangreichen Fahrzeug-Park der allgegenwärtigen Ordnungs-Macht mit einheitlichen Fahrzeugen ausstatten konnten. Blaue, grüne und rote Busse standen friedlich beieinander und die Herren Polizisten achteten darauf, dass niemand seine Notdurft so einfach in der Natur befriedigte. Das nämlich ist da drüben tabu und kostet. Wir wurden also, wie eigentlich immer, von freundlich-grimmig schauenden Damen und Herren geleitet und sehr nah an unserem Eingang geparkt.
Wer, wie ich schon früher mal in Jena war, der hat sich nicht nur über diese tolle Verbindung gewundert, denn damals war diese noch nicht fertig, sonder auch über das schmucke nagelneue Stadion gewundert. Alles sehr modern, alles vom Feinsten und nur der alte Uhren-Turm aus längst vergangenen Tagen ist quasi als Wahrzeichen auf dem neuen Verwaltungs-Trakt erhalten geblieben. Ein böser Mensch, der bei dieser gewaltigen Prachtentfaltung an all die Milliarden denkt, die von West nach Ost geschaufelt worden sind und immer noch werden. Man muss sich beherrschen, um nicht von unserer Autobahn und von unserem Stadion zu sprechen, dann das alles ist nach der „Wende“ von unseren Steuergeldern entstanden und ich z.B. habe immerhin 41 Jahre lang selbige bezahlen müssen. Egal, ein super schönes Stadion ist es geworden, obwohl, sie hätten den Gästebklock auch ruhig überdachen können.
Das verlorene „Häuflein“ eiserner Fans verteilte sich geschickt in den angebotenen Raum und nur zum Schluss, zum Jubeln, rückten dann alle sehr eng zusammen. Ihr wisst, ich berichte nicht ausführlich über das eigentliche Spielgeschehen. Ich bin überzeugt, das machen andere besser als ich, also sollen sie… Soviel aber doch. Jena spielte von Anfang an sehr harten Fußball. Gene gegen die „Feinde“ treten, drängeln schubsen umstoßen, das ganze Programm, nur, um bei der geringsten Gegen-Berührung laut brüllend zusammenzubrechen und so lange Füße und Arme Hochzustrecken, bis es alle gesehen haben. Es gab reichlich Karten vom Schiri, der meiner Meinung nach seine Sache sehr gut gemacht hat. Das Spiel endete 1:2, was uns etwas schmeichelte, denn so schön wie sonst war`s nicht, aber was soll s `, gewonnen, drei Punkte auswärts, super SCF. Die Art, wie „unser“ neuer Trainer auf Gegebenheiten reagiert ist so verblüffend einfach und logisch, dass man als Fan sich schon mal fragen muss, warum man das in der Vergangenheit nicht mehr vermisst hat. Gefahren-Momente werden erkannt z.B. eine Gelbe Karte, und er wechselt sofort aus. Einwechselungen führen nicht zu irgendwelchen Pausen oder Veränderungen, nein, der Spielfluss unterbricht nicht und die Mannschaft kämpft im wahrsten Sinne des Wortes einfach weiter. Und gewinnt.
Womit ich schon mal zu einem Vor-Blick kommen möchte, dem ich morgen Abend beiwohnen werde und von dem ich bald von hier aus Euch berichten werde. Die dritte Runde im DFB-Pokal. Wo hat es so was schon mal gegeben, dass ein Trainer auch auf so was äußersten Wert legt. Ich bin gespannt und ich freue mich darauf. Ich hoffe sehr, dass ich das alles noch recht lange genießen kann, obwohl ich ehrlich genug sein muss, dass es mir manchmal schon arg schwer fällt und leider auch zuweilen mit erheblichen Schmerzen verbunden ist. Aber die aufmunternden Bemerkungen meiner jungen Freundinnen und Freunde lassen so was schnell vergessen. Es ist halt so und eines ist genauso sicher. Es gibt wohl keinen älteren Fan beim SCF der wie ich zu allen Spielen gehe und fahre. Sowohl zur ersten als auch zur zweiten Mannschaft und darauf bin ich sehr stolz, auch wenn es von Anderen nicht gewürdigt wird oder überhaupt zur Kenntnis genommen wird. Das aber ist eine andere Sache und geht eigentlich nur mich was an.
Die Rückfahrten im Supporters-Bus ähneln sich. Man ist gut drauf, leicht müde insgesamt und nach dem traditionellen „Stopp“ in einem McDonalds ist man nur noch an einer raschen Heimkehr interessiert.
Ich hoffe, ich habe Euch genügend Stoff zum Nachdenken über das Spiel gegeben und vielleicht reizt es ja auch den Ein- oder Anderen es mal selber auszuprobieren. Ich kann nur sagen es lohnt sich und es macht spaß. In diesem Sinne, schaut auf meine Bilder und habt dadurch einen abgerundeten Gesamteindruck, so, wie ich ihn Euch gerne vermittelt habe.
Macht’s gut, man sieht sich bei Gelegenheit.
Bis da hin servus, Euer Schriftführer.