Eröffnungsspiel im Wembly-Stadion Deutschland - England im Sommer 2007

Einen schönen Guten Tag all denen, die auf meinen Bericht warten, ich will Euch nicht enttäuschen. Obwohl ich mir durchaus sicher bin, dass eine Vielzahl sich nur die mitgelieferten Bilder anschauen werden. O.K., alle, die es schon versucht haben, die wissen, dass eine Hemmschwelle überwunden werden muss, bevor man so einen Erinnerungs-Bericht überhaupt beginnen kann und natürlich keiner vorhersagen kann, ob das erzählte dann auch noch gut aufgenommen wird.

Wie eigentlich immer fange ich ganz weit vorne an und beschränke mich auf die Eindrücke, die Begleiterscheinungen und die, zumindest wieder mal für mich, faszinierenden Erinnerungen.

Die kann mir keiner wegnehmen und das mildert auch im Nachhinein die doch recht erheblichen Anstrengungen, die eine Zeit von ca. 45 Stunden „Aktion“ am Stück nun mal mit sich bringen. Als da von den „German Supporters“ , bei denen ich auch Mitglied bin, die Nachricht kam, dass eine Reise zu gleich drei Spielen auf der grünen Insel mit der Deutschen Nationalmannschaft möglich sei, dachte ich natürlich zuerst, na, das ist ja wohl eine Nummer zu groß für einen etwas älteren Herren zu denen ich mich mit 68 Jahren getrost zählen kann. Auch das Finanzierungsproblem, neben den bestehenden Kosten für mein Hobby, waren für mich als Rentenempfänger schon auch ein wichtiger Punkt den es zu besprechen gab. Meine Ute hat mich aber bestärkt darin und ich bin ihr dankbar dafür. Das Angebot von Michael Weber, bei Beteiligung an allen drei Fahrten auch noch einen gehörigen Nachlass zu erhalten, brachte die Wende. Ihr werdet also sicher auch noch von meinen Erlebnissen in Wales und Dublin auf dieser Page lesen können.

So eine Reise ist auch ein Risiko für den Verein und seine Verantwortlichen. Zunächst muss da kalkuliert werden und man hofft, dass der Reisebus genügend gefüllt ist und seine Kosten einfährt und genügend Tickets zur Verfügung gestellt werden. Wir haben aber in dem bereits weiter oben genannten einen emsigen Mann, der alles versucht und der es allen gerecht machen möchte. An dieser Stelle auch einmal mein persönlicher Dank für die Betreuung, die nötigen Info`s und vor allem die großzügige Belassung einer Bankreihe für mich alleine. Das ist eine der Voraussetzungen, ohne die ich bei meiner Größe und in meinem Alter mit zwei Rückenoperationen und einer tollen Titan-Hüfte auf der rechten Seite so etwas gar nicht durchstehen könnte. Ein einziges persönliches, erklärendes Gespräch schon vor Langem anlässlich einer weiteren Fahrt zu einem Auswärtsspiel unseres SCF hat genügt. Michael hat das bei sich gespeichert und er sorgt dafür, dass das möglich ist, was durchaus nicht selbstverständlich ist. Dafür bedanke ich mich und bin bemüht, auch meinen Anteil zum jeweiligen Gelingen einer solchen Aktion beizutragen. Nun aber zurück zum eigentlichen Geschehen.

Etwa um 18.45 Uhr traf ich am Abfahrtort in Freiburg ein, wo mich bereits der „Heizmann-Bus“ erwartete. Beim näher treten erkannte ich auch unsere Fahrer und es erfreute mich ungemein, mit „BÄR“ meinen Lieblings-Fahrer zu erkennen. Das Wetter war schön, die Stimmung ebenfalls und mit dem kleinen Häuflein „Freiburger“ machten wir uns pünktlich um 19 Uhr auf in Richtung Knaddly-Land, wo nicht nur eine wahrlich große Menge an geeigneten Getränken sondern auch weitere Mitfahrer zugeladen wurden. Hier kam dann auch der zweite Bus hinzu zu dem ich allerdings nicht unbedingt Kontakt bekam, denn er fuhr, aus technischen Gründen, eine andere Route und wir begegneten uns eher zufällig.

Immerhin waren wir, vom Fanclub Dreisam Bobbele zu Dritt, was auch nicht selbstverständlich war. Unsere Reise ging weiter, die üblichen Stationen, Offenburg, Karlsruhe und Mannheim. Leider, aber auch verständlich, setzt die Firma Heizmann zu solchen Fahrten nicht unbedingt sein neuestes Material ein. Das hat zur Folge, dass die von mir mitgebrachten CD´s leider nicht zum Einsatz gekommen sind. Einige höchst zaghafte Versuche, wenigstens via Musik etwas mehr Stimmung zu erzeugen wurden auch schon im Keim erstickt. Sei es, dass die jeweiligen Fahren vorwiegend in der Nacht abgewickelt wurden, oder dass auch vorgereichte Musik-CD`s nicht abspielbar waren, egal, es gab halt keine Musik. Vielleicht auch besser als ununterbrochen die gleichen Stücke und Texte der „Bösen Onkelz“ zu hören, bei denen anstehende Konflikte permanent mit dem Anspucken des Anderen in`s Gesicht enden.

Zu einer derart vorbereiteten Reise gehört nicht nur die Beschaffung der Eintrittskarte, und die Bereitstellung jeglicher Getränke, es wird auch erfolgreich anderweitig für Abwechslung gesorgt. Sei es, dass das obligatorische Tipp-Spiel angeboten wird, oder die Verlosung einiger Getränkefläschchen mit Hochprozentigem. Immer wieder beliebt ist auch die lustige „Kontrolle“ der Mitgliedsausweise. Diese werden eingesammelt und der Glückliche, der aus dem Hut gezaubert wird, bekommt eine der drei Fahren als Geschenk. Ich habe bei dererlei Veranstaltungen schon etliche Male teilgenommen, muss aber gestehen, dass ich bisher noch kein Glück dabei hatte. Aber, was nicht ist, kann ja noch werden. Wir fuhren und fuhren und kamen durch Deutschland hindurch irgendwann auch nach Luxemburg. Dort in einer riesigen Tank- u. Einkaufsanlage konnten wir wieder mal feststellen, dass wir in unserem Land doch schon sehr teuer für unseren Wohlstand zu blechen haben. An einem Beispiel, welches beliebig variieren kann, will ich es verdeutlichen. Für eine noch immer rauchende Sportkollegin habe ich Zigaretten eingekauft. Sie hat original „Lucky Strike Silver“ geordert, was eine wohl schon teurere Marke ist. Andere Marken waren da noch preiswerter im Angebot. Nun, diese konnte ich ganz legal in einer Einheit von 25 Packungen für exakt 40 Euro erwerben. Setzte ich da mal „unseren“ Automaten-Preis in Deutschland ein, ich glaube 4 Euro pro Päckchen, dann ist das eine Ersparnis von 60 Euro. Dafür kann man ja schon fast immer nach Luxemburg fahren, zumal da auch alles Andere im gleichen Verhältnis billiger ist. Ich habe z.B. für ein Kg Schoko-Karamell-Riesen nur 2,99 Euro bezahlt und war auch damit glücklich.

Aber weiter, immer weiter der letzten Grenze und dem Kanal und seiner Zug-Fähre entgegen. Ich kannte dieses folgende Prozedere ja bereits aus einer vorhergehenden Fahrt nach Wales vor einigen Jahren. Trotzdem ist es schon was Eigenes, verladen zu werden und in ca. 40 Minuten unter Wasser von Deutschland auf die „Grüne Insel“ nach England zu gelangen. Da nieselte es, und das sollte nicht mehr aufhören, bis wir wieder in Deutschland zurück waren.

Das entschuldigt auch die teilweise mindere Bildqualität, denn im Regen und mit Tropfen an der Linse lässt es sich nicht gut scharf stellen. Da wir keine Parkerlaubnis in schriftlicher Form dabei hatten (keine Schuld unseres Busbegleiters), mussten wir recht umständlich durch ganz London schaukeln bis zum Mannschafts-Hotel, wo wir das benötigte Papier abholen mussten.

Zurück Richtung Wembly und dann endlich „dieser“ Anblick. Ich kann Euch sagen, das haut einen fast um. Auch die lapidare Aussage eines (wohl erfahrenen) Mitfahrers, „für eine Milliarde Euro kann man ja auch etwas verlangen“, konnte meine Begeisterung nicht schmälern. Ich weiß natürlich nicht, wie der „Kerle“ das wieder gemacht hat, aber wir waren alle Insassen beider Busse in den untersten Reihen 1 bis 3 untergebracht. Das kann man eigentlich nur würdigen, wenn man, wie ich, die Gelegenheit hat, den Blick nach oben in den dritten Rang zu wenden, wo mit bloßem Auge nur noch eine wogende, bunte Masse erkennbar war. Ich bin mir sicher, dass das verfolgen des Spieles von da oben höchst unerfreulich ist. Aber sicher dafür dann auch recht preiswert. Die Faszination die von diesem neuen Stadion ausgeht ist sicher diese schier unendliche Dimension mit, glaube ich, 70.000 Personen Fassungsvermögen. Alles riesig, alles neu, alles heilig und alles voll mit Tommy`s. Ihr seht es nachher an meinen zaghaften Versuchen, die eigentliche Tiefe durch Bilder zu ergründen, aber das obere Ende verläuft fast immer im Unendlichen. Erstaunt war ich, dass die sonst doch üblichen, meist sehr hässlichen, sehr hohen Absperrungen quasi überhaupt nicht vorhanden waren. Zwischen deutschen und englischen Fans war nur ein etwas breiterer Gang, der mit irgendeiner Folie in ca. einem Meter über dem Boden abgedeckt war.

Genügend Gelegenheit also, sich gegenseitig mit allseits bekanntem und beliebten Droh - bzw. Imponiergehabe auf den Wecker zu gehen, was von beiden Seiten auch reichlich ausgenutzt wurde. Ich weiß auch gar nicht, wie es immer wieder dazu kommt, dass sich da solche „Fans“ gegenüberstehen, die allem Anschein nach nicht unbedingt am Spielgeschehen interessiert sind, sondern permanent auf den vermeintlichen „Gegner“ fixiert sind, und das gilt für beide Parteien. Man bekam schnell den Eindruck, dass die englische Mannschaft der Meinung war, dass es für die Deutschen eine Ehre war, überhaupt hier präsent zu sein. Der „Sänger“ unserer Nationalhymne war wieder so eine Schlafkappe, dass wir anderen fast nicht den Ton getroffen hätten. Kann denn so was Wichtiges nicht mal im Vorfeld geprobt werden?

Das Spiel beginnt und wir auf unseren 40 Euro-Plätzen haben das Privileg entweder im Stehen oder Sitzen das Spiel zu genießen. Aber es „fehlten“ auch jegliche Fang-Netze hinter den Toren, was natürlich zu erhöhter Wachsamkeit zwang. Leider gingen die Engländer schon recht bald in Führung, was nicht zu einer besseren Verständigung unter uns Fans führte. Schön und interessant aber auch so hautnah zu erleben, wie so unwahrscheinlich bekannte und teure Stars auch nur menschlich sind, wenn es drum geht einen Ball von da nach da zu bringen. Es wird halt überall nur mit Wasser gekocht und dadurch auch für die nötige Spannung gesorgt.

Das „Gebrüll“ beim deutschen  Ausgleichstreffer, und zwar auf beiden Seiten brauche ich wirklich nicht extra hervorzuheben. Ich sagte es bereits, überwältigend. Unsere „Jung´s„, und dabei nicht mal die erste Garnitur schlugen sich wahrlich wacker. Ich bin sicher, es gibt genügend Personen, die bei Bedarf eingehend mit Spielzügen, Namen und Details aufwarten können, die ich ganz bewusst immer etwas vernachlässige. Das ist es aber auch, was vielleicht meine Berichte von Anderen, die ja das gleiche Ereignis beschreiben, unterscheidet und mir meine geneigte Leserschaft treu bleiben lässt.

Ich muss an dieser Stelle außerdem auch gestehen, dass der bisherige Verlauf dieser ganzen Exkursion auch bei mir angefangen hat, seinen Tribut zu fordern. Ich war zwischenrein doch schon mal recht müde. Das vorherige Rumirren mit einigen Fans zu Fuß und mit der Straßenbahn, wobei ich der einzige war, der einigermaßen sprechen und verstehen konnte, tat sein Übriges. Es war zwar teuer, pro Person 20 Pfund, aber dafür bekamen wir eine dreistündige Rundreise durch London und das in gesponserten Regen-Caip`s im offenen Doppeldecker, schon ein Erlebnis für jemanden wie mich, der vorher noch nie in London war. Wieder einmal, wie schon zuvor in Paris war ich erstaunt und überrascht, wie hoch der Anteil an dunkelhäutigen Menschen in solchen Ballungszentren ist. Waren es in Paris überwiegend ganz schwarze, weiß ich woher, waren hier überwiegend der malaiische und indische Einschlag vorherrschend, also eher Kaffeebraune. Nach Spielende, welches unsere englischen Freunde wohl ganz anders erhofft hatten, konnten wir sehen, wie rasend schnell und meist sichtbar bedrückt alle zielstrebig nach draußen strömten. Wir durften noch eine Weile drin bleiben und dabei unseren Jungs beim Auslaufen zusehen.

Der Weg zu den unmittelbar vor der Arena geparkten Bussen war problemlos, wenn man mal von der Unmenge Menschen absieht, die alle in der gleichen Richtung davoneilen wollen. Ein schönes Spiel, ein gelungener Auftakt im Wembly (letztes Spiel im „Alten“ gewonnen und erstes Spiel im „Neuen“ gewonnen) und es war wieder mal dunkel.

Die Heimreise, zumindest der eben beschriebene Teil, war eher ruhig und geprägt von den verschiedensten Versuchen in den verschiedensten Stellungen zumindest etwas Schlaf zu finden. (Noch mal wieder dank an die Busleitung, anders hätte ich es gar nicht gekonnt.) In der Nacht durch den Tunnel genau so präzise und genau so gut organisiert. Leider haben wir den zuvor mit dem Tunnel-Personal vereinbarten Zeitpunkt nicht einhalten können, und mussten deshalb den nächstmöglichen Zug nehmen. Was unser Bär geschickt ausnutzte, um im Dunkel der Nacht eine dringend nötige Leerung unserer Bordtoilette vorzunehmen.

Problemlose Rückkehr nach Deutschland, wenig Verkehr, einen sicheren Fahrer, alles paletti.  Im Morgengrauen dann noch mal ein Zwischenhalt in Luxemburg, wo man sich mit Zigaretten und Kaffee eindeckte. Später irgendwo ein ausgedehnter Halt zum Waschen und Frühstücken.
Die üblichen Stationen nun in umgekehrter Reihenfolge und eine glückliche Ankunft gegen 16.30 Uhr in Freiburg beendeten eine wahrlich tolle Reise. Wir haben gewonnen, es ist nichts Außergewöhnliches passiert und mein Auto war auch noch da. Super, das lässt doch auf den Anfang September hoffen, wo wir zusammen nah Wales reisen werden.

Aber darüber später. Schaut Euch nun noch die erklärenden Bilder an und freut Euch daran.
Bis sehr bald, denn schon übermorgen, am Montag, geht es ja mit dem SCF nach Augsburg und ich werde sicher zu berichten wissen.

Bis bald also,
Euer Jochen