Schneegestöber im Erzgebirge

Aue, ich habe es wieder schmerzlich am meinem Rücken gespürt, das liegt halt doch so richtig an einem Ende unseres Landes. Da wurde ich in EM von einem Doppeldecker abgeholt. Welche Ehre. Drei Fahrer und im unteren Bereich mal gerade 10 Fans. Was ein geiles Gefühl an einem Tisch. Füße ausstrecken bis es nicht mehr geht. Stille, da man die Musikgeräusche unten abdämmen konnte.

Ein richtiges Sauwetter, dass die gute Heizung und Belüftung zur Geltung kam. Rechtzeitig, ohne druck losgefahren. Häufig über längere Passagen hinter den Schneeräumfahrzeugen oder den Salzstreuern. Die Strassen waren frei, auch als wir dann im Erzgebirge richtig in den Winter gekommen sind. Unser Bus hatte ein funktionales Navi und dadurch sparten wir uns diese Endlos-Reise durch den tiefen Wald vor Aue. Wir fuhren oben weiter und kamen landschaftlich sehr reizvoll von der gegenüberliegenden Seite rein. Was prompt dazu geführt hat, dass wir ohne die übliche Polizeimacht einfahren konnten. Die haben nämlich vor dem Wald gestanden. Vergeblich. Was sie danach aber umso mehr ausnutzten, als sie uns nach Hause geleiteten. Ich habe noch gar nie ca. 10 bis 11 Mannschaftswagen mit Blaulicht verteilt auf zwei Busse Fans aus Freiburg gesehen. Schaut Euch diese Bilder an. 

Beide Fahrten, sowohl die Hin- als auch die Rückreise, waren sehr angenehm, nicht nur wegen der Platzverhältnisse, sondern auch, dass gelegentlich gute Freunde zu einem Plausch runter gekommen sind und die Stimmung ausgesprochen harmonisch war. Wir waren ca. 40 Fans, und im Knaddly`s Bus waren dann auch noch ca. 30. Es hätte also nicht zu einer sinnvollen Zusammenlegung der beiden Busse führen können. Gut, vielleicht ein anderes Mal wieder, wie ja schon des Öfteren getestet.

Damit waren wir schon ganz schön stark im Auftritt und nur das Wetter meinte es halt so gar nicht gut mit uns. Ca. 60 bis 70 Aue-Fans haben an den Tagen zuvor und auch noch während der Einlass bereits in Gang war  die Ränge freigeschaufelt. Sie bekamen dafür den freien Eintritt. Wer schon in Aue war, weiß wie weitläufig das da angelegt ist mit Wiesen und Hecken dazwischen und wirklich nur eine sehr dezente Teilüberdachte Tribüne. In Anbetracht meines hohen Alters und meiner derzeitigen Verfassung habe ich mich entschlossen nicht die drei Stunden im Schneegestöber zu verbringen. Dank meines Rentenausweises in Verbindung mit meinem Behindertenausweis bekam ich einen vorzüglichen Sitzplatz in der 10. Reihe, wo es weder hingezogen noch hingeschneit hat. Natürlich saß ich da als Freiburg-Fan alleine, aber, wer mich kennt, ich hatte sofort den besten Kontakt und Dank der eigentlich gar nicht vorhandenen Kontrolle am Auer Eingang auch meine berühmte Plastikflasche dabei. Letzterer hat gut geholfen, auch die letzten Verunsicherungen bei meinen Bank-Kollegen zu zerstreuen. Ich weise auch hier auf das Beweis-Foto hin.

 Nun aber zu den wichtigeren Dingen. Ich hatte staunend festzustellen, dass die Freunde aus Aue ihre berühmten Nudeln ganz strikt zwischen Steh und Sitzplätzen teilen. Beim stehenden Publikum gab es die, auf die sich nicht nur ich, sondern auch viele Andere freuten. Beim sitzenden Volk war das dann eine ganz andere Sauce und statt Rindfleisch gebratene Fleischkäswürfel. Auch sehr lecker. Zur Erinnerung die Preise.

Bierbecher, 2,30 Euro, Glühwein, lecker und heiß, 2,00 Euro, riesige Schale Nudeln, 2,30 Euro. Es war schon das wieder ein Hig-Light. Immerhin ca. 10.500 Auer waren angereist und voller Hoffnung, nun den Freiburgern Paroli zu bieten. Um es gleich vorwegzunehmen. Ich will mal sagen, es war wirklich wieder kein schönes Spiel, das sie uns da bei solchen widrigen Wetterverhältnissen geboten haben. Ich versuch es human auszudrücken und sage, sie haben sich über weite Strecken einfach neutralisiert. Das erste Tor war gegen uns und die Auer-Fans sind schier ausgerastet.

 Was wiederum bei den Freiburg-Fans zu „diesem“ fenominalen Schauspiel geführt hat, was uns schon im vergangenen Jahr ungefähr um die gleiche Zeit, nur noch kälter, so beeindruckt hat. Ein großer teil legte wieder spontan alle Oberbekleidung nebst Schuhen ab, um wild damit herumzufuchteln. Einzelne zelebrierten auch noch das spontane Wälzen im Schneematsch. Alles das wurde eisen bis zum Abpfiff eingehalten und war lange noch ein Hauptthema auf der Rückfahrt, denn viele ließen es sich nicht nehmen, ihre total durchnässte Kleidung zum Trocknen auszuziehen. Was natürlich zwangsläufig zu grotesken Einlagen führte, indem den Akteuren zu ungünstigster Gelegenheit die restlichen Beinkleider runter gerissen wurden. Zurück zum eigentlichen Spielgeschehen.

 Wie gesagt, es lief wieder mal nicht so, wie es uns zuvor in der Zeitung zum Sonntag angeboten worden ist. Unser Trainer hat zwar mehrfach betont, dass er sog. „Unentschieden“ gar nicht gut findet und auch gar nicht mag. Aber seine Truppe hat ihm nun wieder nicht gehorcht und ihm auch wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht, was zumindest für mein Gefühl nun so langsam aber sicher darauf hindeutet, wir sollten uns mit einem guten achtenswertren Platz in der zweiten Bundesliga abfinden um in Ruhe alles für das kommende Jahr in trockenen Tücher zu bekommen. Ich meine, es ist besser für uns eine starke, gefürchtete Macht in Liga zwei zu sein, schöne Siege nach Hause zu bringen und letztlich auch gut dabei zu fühlen. Was nützt uns der Aufstieg, wenn man von Anfang an gegen den erneut drohenden Abstieg kämpfen muss und soll und als Punktelieferant verhöhnt wird. Meins wäre das nicht. Das zweite Tor war dann für uns.

 Ich schiebe es mal auf das Schneegestöber, dass ich nicht so genau sagen kann, wie es zustande gekommen ist. Jedenfalls waren da viel zu viele fremde Füße mit beteiligt. Dann wieder das Gegentor. Unser Torwart war dabei derartig dilettantisch beim sog. Abschlag, dass der Ball ca. 6 Meter vom Tor entfernt wieder aufgenommen werden konnte und nun nur noch rein geschoben wurde. Ich will versuchen zu glauben, dass unserem Torwart der Ball nur durch eine gigantische Pfütze direkt neben seinem Tor derart abgebremst wurde, dass da gar keine andere Variante mehr möglich war. Der Jubel bei Aue wieder fast nicht zu beschreiben. Das „Wälzen“ im Schnee bei den Freiburgern nicht mehr zu überbieten. Kurz vor Schluss dann doch noch der Ausgleich und die am Boden zustörten Auer, die zu 100derten die Nudel-Buden belagerten. Keinen Andeutung von irgendwelchen Anfeindungen mit Ausnahme, dass vereinzelte Aue-Fans Freiburger so richtig keck mit Schneebällen zu bewerfen begannen. Was ein Aufstand. Sofort riegelten die grünen Massen alle vor den beiden Bussen versammelten Freiburger ein und schützten diese mit ihren Körpern. Beeindruckend und gleichzeitig eben auch der Auftakt zu diesem rieseigen Begleit-Konvoi, den ich ja schon geschildert habe.

Also, ein Unentschieden, welches so keinem richtig weiterhilft. Eine schöne Reise und wieder mal das gute Gefühl für mich, ich habe noch Spaß dran, man mag mich noch dabei haben und ich pack das noch. Es ist zwar schwer, am Morgen so früh aufzustehen, wenn man es nicht mehr gewohnt ist, schön dagegen aber, wenn man dann am Ende so wie ich bereits um 12 Uhr wieder in Emmendingen ankommt. Alles in Allem halt ein Winterspiel ohne richtigen Tiefgang, aber wir waren dabei und die Mannschaft hat sich sichtbar darüber gefreut. Das war`s für dieses Mal. Zusammen mit den Bildern gibt es wieder einen wie ich hoffe umfassenden Eindruck von dieser Partie für alle die, die aus welchen Gründen auch immer dieses Mal nicht dabei sein konnten. Ich hoffe, ich langweile Euch nicht. Mir macht es Spaß zu berichten und zu dokumentieren. Deshalb auch jetzt schon die Vorankündigung, dass ich von Spiel Deutschland/Schweiz am Mittwoch auch wieder zu berichten haben werde.

Ich grüße Euch alle und verbleibe bis dann, Euer Schriftführer Jochen Knoll