Es ist immer wieder eine Überraschung. Wer stellt dieses Mal den Bus, was für ein Fahrer ist an Bord, wie viele Fans „trauen“ sich mit den Supporters zu fahren, (obwohl es zumindest für mich höchst angenehm ist von vorne herein zu wissen, dass gewisse Personen mit Sicherheit nicht in diesem Bus sein werden) OK dieses Mal war der Fahrer so bieder, dass ich schon wieder Befürchtungen hatte. Aber was für eine Überraschung. Einer der besten und auch der erste, der mit diversen Lobgesängen und einer Sammelkolekte verabschiedet wurde. Wenn wir den für uns reservieren könnten, das wäre optimal, der macht sogar dem Bär Konkurrenz.
„Natürlich kann ich, als Emmendinger, auch in Emmendingen zusteigen. Der Bus ist fast pünktlich, obwohl ja vorher immer noch die Getränke zugeladen werden müssen. Die kollektive „Begrüßung“ ist stets derart überschwänglich, dass man schon gewillt ist zu glauben, sie sei etwas „aufgesetzt“. Das mindert aber nicht im Geringsten das schöne Zugehörigkeitsgefühl, welches es in mir auslöst. Es gibt offensichtlich doch recht viele, die mit diesem etwas älteren, etwas grantigerem, und etwas rechthaberischen Typ gut auskommen.
Jetzt also die Fahrt nach Mainz. Nicht so weit weg, gut organisiert, (danke Ossi) trotz einer Vollsperrung wegen Brückensprengung, sehr gut besetzt und ich den besten Platz ganz hinten in der Mitte. Es ist sehr angenehm, wenn die Spiele bereits am Nachmittag angepfiffen werden, denn dann ist es gewährleiste, dass wir alle wieder zu einer humanen Zeit zu Hause sind. Wir hatten eine harmonische, lustige Fahrt, die von den üblichen Musikerzeugnissen begleitet wurde. Es ist anscheinen ein kleines Phänomen, dass Busse der Supporters-Crew nur ganz bestimmte Musikstücke von nur einer Band in ihren Übertragungsgeräten abspielen können. Das aber scheint der Begeisterung ob dieser Darbietungen keinen Abbruch zu machen. Vielleicht fällt das ja auch nur mir auf.
Es musste dieses Mal wohl ernsthaft darauf hingewiesen werden, dass mit dem so genannten „Getränke-Zehner“ etwas sorgfältiger umgegangen wird. Es ist keinem verwehrt, zu trinken, soviel und was er möchte, aber es sollte eben auch getrunken werden und nicht angebrochen wieder in den Kisten landen. Die zusätzliche Beschaffung der nötigen Eintrittskarten, natürlich fein sortiert in ermäßigte für Jugendliche oder Rentner und für „Normale“ ist auch keine Selbstverständlichkeit. Zusammen mit unserem Bus sind dieses Mal noch drei weitere Fan-Busse gestartet. Das hängt a, mit dem Datum zusammen und b, mit der verhältnismäßig kurzen Anreise. Währe unsere Fahr nach Rostock gegangen, es gäbe nur einen Bus, da bin ich mir sicher.
Bei herrlichem Wetter in Mainz angekommen führten uns die freundlichen Polzei-Mopets zielsicher in Sichtweite des Stadions. Aber nur, um sodann zu einer kleinen aber feinen Stadtrundfahrt zu starten, die uns letztlich unter irgendeine Brücke führte, wo wir von einer kaum überschaubaren Menge von grün gekleideten Ordnungshütern in Empfang genommen wurden. Diese machten uns sehr schnell klar, dass wir dann, zusammen mit ihnen nun einen ca. 25-Minütigen Spaziergang vor uns hätten, und damit zu „unserem“ Eingang gelangen würden. Ja, super, wo ich doch so gerne wandere! Scheiße war noch ein netteres Wort, was da für diese Überraschung parat war. Ich weiß überhaupt nicht, was die sich da immer dabei denken. Es geschieht doch nichts. Im Gegenteil, durch solche „Aktionen“ wir doch erst auf irgendwelche „Möglichkeiten“ hingewiesen. Vergessen, abhaken, man kann es ja doch nicht ändern.
Der Platz für angereiste Fans ist im Stadion von Mainz recht klein gehalten und bedingt dadurch, dass etwa 800 bis 850 Freiburger angereist waren ist es richtig eng geworden im sog. Fan-Käfig. Die überaus großzügigen Netze (zu unserer Sicherheit, natürlich) behinderten das fotografieren der Anlage enorm. Auf Bitten durfte ich aber dann eine Etage höher, sozusagen zu den Sitz-Rängen vortreten und habe einige Bilder ohne Netz machen können. OK. ich sagte es schon, Wetter gut, Stimmung gut und….was am wichtigsten war, Spiel gut. Es waren da zwei ebenbürtige Mannschaften zu Gange, die sich nichts schenken wollten und sich dadurch fast immer neutralisierten.
Ihr wisst es, gezielte Analysen mit Namen und Beurteilungen, das ist nicht mein Ding. Dazu bedarf es mehr Erkenntnis und Spielverstand und deshalb überlasse ich diesen speziellen Teil gerne denjenigen, die sich dazu berufen fühlen, einzelne Spieler und deren Spielzüge zu bewerten. Ich begnüge mich gerne damit, dass ich „unsere Jungs“ in bester Verfassung gesehen habe und, wenn nicht die Ereignisse nach dem Spiel gewesen wären, zumindest ich wäre mit einem 0 zu 0 unentschieden gut bedient gewesen und keineswegs überrascht. Überrascht allerdings von diesem Tor für uns in der ersten Nachspiel-Minute, welches sicher nicht nur mich in einen solchen Freudentaumel versetzt hat, dass ich meine Begeisterung kaum zügeln konnte. In solchen Momenten liegt man unverhofft in den Armen von völlig unbekannten Menschen, die kollektiv das Gleiche empfinden, nämlich unverhohlenes Glück. Sicher ist, dass unseren Spielern nicht anders gegangen, denn, statt das Spielgerät nun, nach der regulären Spielzeit und höchst erfolgreichem Abschluss, einfach dem Gegner auf dir gegengerade zu verfrachten, hatten sich alle lieb. So lieb, dass unser an Sonsten gut gepfiffener „Schiri“ gar nicht anders konnte, als noch einen letzten Eckball zuzulassen. Dieser wurde allerdings bestens platziert, aber doch höchst ungerecht in unserem Tor versenkt. Was für ein emotionaler Fahrstuhl. Nichts für ältere Herzen, kann ich Euch sagen. Erst noch auf Wolke sieben plus und in nächsten Moment im Keller, aber so was von Keller, da gibt es keine Worte mehr. Wo wir doch in Vorbereitung für den folgenden Montag (JHV des SCF) diesen Ausgangspunkt sehr gut gebraucht hätten, mal ganz abgesehen von dem so respektablen dritten Tabellenplatz. Aber so ist das halt mit dieser Sportart. Während wir uns sehr gut mit der gezeigten Leistung unserer Mannschaft trösten konnten sahen wir einen gegnerischen Trainer auf dem nun leeren Spielfeld herumhüpfen, der seine geballt Siegesfaust seinen Anhängern entgegenrammte. Was soll das? Es war unentschieden und davon hat wohl keiner so richtig was profitiert.
Spiel aus, wieder der erzwungene Fußmarsch zurück zu den Bussen. Nur am Rande, ein Freiburg-Fan, der trotz eines Handycups, welches ihn zur Benutzung zweier Krücken zwang musste diesen Weg auch antreten. Die Freiburger SKB´s, welche um eine Mitfahrgelegenheit angefragt wurden, lehnten dieses ab aus rechtlichen und sicherheitsrelevanten Gründen. Na bitte, ist doch die Welt nicht nur perfekt organisiert, sondern auch von optimalen Personen gesichert, gell.
Die Rückfahrt ist schnell berichtet. Halt genau so wie die Hinfahrt, nur anders rum. Einzige Ausnahme, auch wie immer, der Stopp in einem McDonalds, wo ich aus Zeitgründen, weil wir irgendwann auch weiter wollten, für die letzten in der Warteschlange verbliebenen Freunde ganz erheblichen Druck beim Bedienungspersonal aufbauen musste. Letztlich auch von Erfolg gekrönt. In Emmendingen angekommen fand ich mein Auto, unbeschädigt und ohne „Knöllchen“ und damit endet auch mein Bericht über die Fahrt nach Mainz.
Ich grüße Euch und sage Servus bis zum nächsten Auswärtsspiel oder irgendeinem anderen Anlass, der mich hier in diese Tasten hauen lässt.
Bis denn, Euer Jochen