OK, dass diesmal mein Kumpel aus der Unterstadt nicht mit im Supporters-Bus sein würde, wusste ich. Sein eigener Fan-Club hatte dieses Mal den zweiten Bus gestellt. Zum Vorteil eines größeren Kontingentes von FG-Vorständen, die es sicher vorgezogen haben, mit diesem Bus statt mit den Supporters zu reisen. Leider ist mir bisher aber noch nie eine plausible Erklärung für derartige Abneigungen zu Ohr gekommen. Irgendetwas Entscheidendes muss es aber sein, denn in dem zweiten Bus sind auch bekannte Fans mitgereist, die sonst, wenn zusätzlich nur noch der FG-Bus fährt, auch gerne bei den Supporters mitreisen. Sei’s drum, irgendwas wird es schon sein und das muss dann nur noch permanent und konsequent immer wieder in anderer Variante unter die Fans gebracht werden. Ich glaube aber, dass trotz redlicher Bemühungen einzelner, die Institution eines Supporters-Busses nicht mehr aus der Fan-Szene weg zu denken ist. OK, nicht verallgemeinern bitte, das hier ist nur „meine“ Meinung.
Also wartete ich mit einigen Anderen um 07,30 Uhr auf dem Festplatz und es regnete bereits da. Es war kalt und ich dachte blauäugig dass das mit der frühen Stunde, wie die Tage vorher auch, zu tun hatte. Ich sollte recht unangenehm bald eines besseren belehrt werden. Der Bus, wie eigentlich oft nicht „ganz“ voll. Angenehm für mich, eine ganze Bankreihe zu beanspruchen. Was jedoch dieses Mal der pure Luxus war, wir hatten nämlich wieder „unseren“ Super-Bus mit den Super-Fahrern und das bedeutet eine traumhafte Beinfreiheit, einen super sauberen Bus, zwei total coole Fahrer, unaufgefordert die super Musik, unaufgefordert die nötigen Zwischen-Stopps und damit eine super gute tolerante harmonische Stimmung, die die Hinfahrt besser scheinen ließ, als es das aufkommende Scheiss-Wetter erlaubte. Wenn schon nur die ganz Harten ganz kurz zum Rauchen raus gehen, und wenn schon die vorgegebenen Haltezeiten eher unterschritten wurden, kann sich der geneigte Leser vielleicht ein annäherndes Bild vom Wettergeschehen machen. Am frühen Nachmittag begann es bereits dunkel zu werden und bei der pünktlichen Ankunft, ca. eine Stunde vor Spielbeginn, regnete, bzw. stürmte, bzw. schneite, bzw. hagelte es und das alles zusammen. Ich will damit nur sagen, bereits beim nötigen Anstehen vor dem Kartenhäuschen wurde ich, natürlich nicht nur ich, schon so weit nass, dass der Schal, die Mütze und die Hose schon durch waren. Es war einfach nur trist. Ich kämpfte einen langen, stillen Kampf mit mir in dieser Warteschlange und habe mich am Ende erstmals dazu durchgerungen, nicht mit all meinen Freunden im Fanblock zu stehen. Ich erstand also eine Sitzplatzkarte, da diese Plätze eine Überdachung hatten. Sehr in der Nähe meiner Freunde und den anderen Mitreisenden, die mich natürlich, zusammen mit einigen Wenigen, da sitzen sahen, ohne Notiz von mir zu nehmen. Ich denke mal, „Weichei“ ist sicher noch eines der harmlosern Worte, die da für mich bestimmt wurden. Aber, ich gebe es zu, ich bereue nichts. Es wäre vielleicht Dank meines höheren Alters und den damit verbundene wenigeren Abwehrstoffen, wohl zu einer ausgewachsenen Erkältung gekommen, sie mir vielleicht den Besuch der letzten Spiele in der hinrunde verbaut hätten. Also, gute Entscheidung, gut getan und, dank eines Mitgliedes meines Vereines nun auch noch unter einer wärmenden Decke. Super kann ich nur sagen. Wohl bemerkt, das gilt nur für die Abwehrmaßnahmen, die ich für meine Sicherheit, meine Bequemlichkeit und vorbeugend für meine Gesundheit getroffen habe. Natürlich hatte ich schon ein schlechtes Gewissen all den Anderen gegenüber, die da frierend, vermummt und pitschnass kaum dem Spielgeschehen folgen konnten, aber, wie gesagt, ich bereue nichts, letztlich muss jeder selber sehen wo er bleib. Ich jedenfalls oben herum in einen riesigen Daunen-Parker und unten herum unter einer wärmenden Decke, es hätte ein schönes Spiel werden können.
Unser Trainer sprach in der Zeitung vom Sonntag noch von einem Spiel in Augenhöhe, also erwartete der mitgereiste Fan eine zumindest ähnliche Leistung und Situation wie eigentlich schon gewöhnt, seit der neue Trainer das Zepter schwingt. Es fing auch genau so an. Unsere Jungs kämpften gegen sich sehr robust zeigende Kleeblätter und waren, wie man es erhoffte auch überwiegend dominant. Man neutralisierte sich ziemlich, was Herr Dutt wohl mit Augenhöhe gemeint hat. Der Platz war sehr schwer bespielbar, tief, rutschig und Dank der Regen und Nebelschwaden auch nicht positiv zu überschauen. Egal, der SCF schaffte das erste Tor. Alle wurden kurzfristig aus ihrer Kältestarre gerissen und einige ganz Mutige begannen das alte, aber immer wieder schöne Lied vom Auswärtssieg zu singen. Die erste Zeile blieb uns aber im Halse stecken. Der oft zitierte „Gegenschlag“, nun war er auf der Seite des Gegners. Ca. 1,5 Minuten später war der Ausgleichstreffer gefallen. Was nun geschah, könnte man natürlich in so mancher Episode zu klären suchen. Als da wären, reichliche Fouls, die nicht oder falsch geahndet wurden, ein nicht gegebener vermeintlicher 11 Meter und Anderes. Aber eigentlich sollte „diese“ Art der Schuldsuche nun endgültig der Vergangenheit angehören. Sie spielten weder gut noch miteinander und verkamen immer mehr. Zum Schluss ging gar nichts mehr und wir konnten nur von Glückreden, das diverse gute Möglichkeiten der Kleeblätter entweder durch Aluminium oder durch sehr schlechte Trefferquoten nicht zum Verlust des einen Punktes geführt haben. Ich kann Euch auch leider nur den Endstand per Bild zeigen, denn bis ich die Kamera raus hatte, und die Anzeigetafel gefunden hatte, war das Anschlusstor schon gefallen. Also, ein Unentschieden. War wohl nichts mit der Augenhöhe. Aber egal, immer noch auf Platz zwei und das nächste Spiel ist dann wieder zu Hause und da werden dann sicher mehr als 14-15000 Fans jubeln und keine ca. 60 bis 70, die es nach Fürth verschlagen hat. Das bescheidene Wetter hat wenigstens verursacht, dass alle mit gesenkten Köpfen schnurstracks Richtung zu Hause oder fahrbarem Untersatz strebte.
Wir sind überpünktlich losgekommen und, sagte ich es schon, unser toller Busfahrer war schon vorher zur Stelle und wir konnten unsere reichlich unterkühlten Körper in wohliger Temperatur versuchen wieder geschmeidig zu machen. Die Rückfahrt, dank einer höchst humanen Anpfiffzeit, noch verhältnismäßig früh, verlief in ruhigen Bahnen. Ein italienischer Pizza-Bäcker, direkt gegenüber dem Haltepunkt unseres Busses, alle die schon in Fürth waren kennen ihn, machte wieder das Geschäft des Tages. Der hat halt vorgesorgt und schon mal 10 bis 15 solche Teile auf der Wärmeplatte. Wie gesagt, warmer Bus, heiße Pizza, gute, laute Musik, es fing gut an. Einige Mädels, die wohl besonders wärmebedürftig waren hatten sich sehr schnell ganz doll ineinander verkeilt und das ließ genügend Spielraum für die wüstesten Fantasien einiger Glücklicher, die so nah daran saßen, um das Ganze auch mitzukriegen. Es müssen Dutzende von Handy-Aufnahmen gemacht worden sein, immer wieder mit dem versuch, irgendetwas Konkretes zu erkennen, wo es doch eigentlich nicht konkretes zu erkennen gab. Die Drei haben sich halt etwas geräkelt und das hat zumindest noch zur schnelleren Erwärmung, zumindest einiger Gemüter, beigetragen. Ein sehr schöner Einfall, der bei gegebenem Anlass durchaus zum Standart werden könnte.
Danach der übliche Halt. Dies Mal zur Abwechslung ein Burger. Danach eine sehr anschauliche Studie wie englische, schottische oder auch türkische Fußball-Fans miteinander umgehen, wenn es ihnen halt nicht passt, dass der Andere überhaupt auf der Welt ist, und dann noch so dreist, ausgerechnet zu dieser Zeit auch noch an diesem Ort ist. Wie versucht zu sagen, es könnte ja noch viel schlimmer gekommen sein. So war ich gegen 22.15 Uhr wieder nass und wieder kalt aber doch zu Hause und benutze meine nun wieder erwachten Finger, zumindest zwei von ihnen dazu, Euch das zu berichten. Ich hoffe, ich habe wieder den rechten Ton getroffen und verbleibe bis zum nächsten Auswärtsspiel.
Euer Schriftführer, Jochen
P.S. Ich werde des Öfteren gefragt, warum ich denn nicht auch für oder auf anderen Seiten schreibe. Ganz einfach. Meine Art der Berichterstattung stößt mit Sicherheit dem ein oder Anderen sauer auf. Auch wenn ich bemüht bin, keine Namen zu benutzen. Wer sich auskennt, der weiß eh, wen ich gegebenenfalls da meine. Also, deshalb auf der Dreisam-Bobbel Page, denn niemand „muss“ da hinkicken und das alles lesen oder anschauen und schon kann mir nicht unbedingt viel passieren. Altes Sprichwort, vorbeugen ist besser als heilen, gell. Es gibt ja Einige, die derartige Berichte verfassen und sicher hat sich zwischenzeitlich jeder denjenigen rausgesucht, dessen Berichterstattung er für sich persönlich für angemessen hält. Also, für mein e Leser, macht’s gut, oder besser, bis zum nächsten Mal.