Toll, wieder so ein Spiel mitten in der Woche und zu einer unmöglichen Anfangszeit (18 Uhr). Wer kann da, wer wird sich dafür extra Urlaub nehmen? Die Supporters planten einen 9er Bus.
Aber dann kam alles ganz anders. Wir, die ewigen Auswärtsfahrer haben sich beim Spiel auf St. Pauli so vorbildlich verhalten, dass es nicht nur der Mannschaft gut getan hat, sondern auch unserem Trainer und dem mitgereisten Verantwortlichen. Ergebnis:
Mannschaft und Trainer wollen sich dafür bedanken und nicht „nur“ bei denen, die auf St. Pauli aktiv waren, sondern jetzt gleich mal bei allen, die Mittwochs nach Koblenz wollen. Diese Reise wird finanziert, sodass nur die Eintrittskarte bezahlt werden muss. Und was geschieht? Ihr werdet es erraten. Der SCF reist mit ZWEI vollen Bussen nach Koblenz. Sind allerdings neben denen, die sowieso gefahren wären nur die gesamte Vorstandschaft der FG und Fans, die zumindest ich noch gar nie irgendwo gesehen habe. Unser Bus hatte zwar die bekannten Gruppierungen, Supporters, wilde Jung`s, Ultra-Jugend, Hooly-Gänschen, Allway`s –Ultra, Knaddly`s, Dreisam-Bobbele, UFFS, NBU, noch einige Fan-Clubs die ich nur vom Sehen kenne, einen Schweizer und das alles zusammen vielleicht der halbe Bus. Alles Andere waren eben Fremde, die die ganze Fahrt über keine drei Sätze gesprochen haben, zumindest mit unser Einem. Trotzdem war die Fahrt recht unterhaltsam, denn überall wo wir zur Rast hielten, der Bär war schon da.
Die Aufteilung war so, dass nicht jeder Bus an jede Einstiegsstelle zu fahren brauchte. Z.B. der Bus in dem Anja und ich waren, Wir sind zusammen mit Anderen ja in Emmendingen zugestiegen, fuhren direkt bis Herbolzheim und weiter nach Karlsruhe ohne Lahr und Offenburg, das macht dann der Andere. Das deutlich negative Verhalten Einzelner, insbesondere eines Einzelnen, habe ich bewusst ignoriert. Mit Erfolg, denn es ergab sich später sogar ein angeregtes Gespräch. Getränke gab es in Anbetracht der doch etwas bunten Mischung nur gegen Bezahlung. Soll heißen, der Getränke-Zehner, wie er sonst in den Supporters-Bussen üblich ist kam nicht zum Einsatz. Erfreulich, dass die Eintrittskarten wieder vorher beschafft worden sind. Weniger erfreulich, dass für Schüler, Studenten oder Rentner keine Ermäßigten besorgt worden sind. Aber das bringt mich auch nicht um.
Das Wetter war himmlisch, die Stimmung gut und alle die, die so wie ich schon öfter in Koblenz waren, wir wussten, dass es ein langer Marsch entlang am Stadion werden würde. Unsere Freunde von der grünen Zunft ließen es sich auch dieses Mal nicht nehmen und haben uns mit einer wahren Unzahl von Personen zum Stadion begleitet. Was man da sparen könnte an Personal und Material-Kosten, ich mag gar nicht drüber nachdenken. Kleines offenes Stadion mit einem Wurst-Stand direkt hinter dem Klo, mit großzügigem Fan-Käfig und schlechtem Rasen. Aber das war alles eigentlich nur Nebensache.
Wir sollten, wir wollten, wir müssten einfach gewinnen und keiner zweifelte daran. Selbst das Verwirrspiel, welches sie mit uns versuchten, hat nichts an unserer guten Stimmung verändert. Höchstens höhnisches Gelächter. Zuerst gab es eine Anzeigetafel ohne Namen. OK, später wurde dann nachgebessert und nun waren wir der FC Freiburg. Protest. Nun wurden wir wieder ausgeblendet, um jetzt als Kickers Offenbach zu erscheinen. Das 1:0 viel ohne Namen genauso wie das 1:1 dann wieder mal SCF aber nur bis zum nächsten Tor. Es war ziemlich lächerlich. Ganz und gar nicht lächerlich war allerdings die Spielweise unserer Mannschaft. Ich kann es einfach nicht nachvollziehen, warum so ein eklatanter Unterschied in der Spielweise zu Hause und Auswärts zu erkennen ist. Als sei da jeweils eine andere Mannschaft am agieren.
Wenn Koblenz wenigstens gut gespielt hätte. Aber da waren wieder Luschen gegen Angsthasen auf dem Spielfeld und ich könnte wieder keinen einzigen nennen, der mir besonders positiv aufgefallen wäre oder der sogar gut gespielt hätte. Ich wiederhole mich gerne, KEINER. Einige könnte ich nennen, von denen ich ausgesprochen enttäuscht war und das auswärts nicht zum ersten Mal. Aber ich nenne, wenn irgend möglich, keine Namen. Nur soviel, der so hochgelebte, ja als Fußball-Gott gepriesene Türke, der wird und wohl auch in der nächsten Saison in der zweiten Bundesliga erhalten bleiben, denn den wird uns wohl kein Verein abkaufen wollen. Und, mit den diversen Torwarten hat unser Verein wohl so seine persönlichen Probleme. Alles in Allem, es wird Zeit, dass das permanente Gerede vom „Aufstieg“ endlich aufhört. Was soll denn das auch? Nur, um als vorletzter oder letzter brav dem Gegner die nötigen Punkte zu schenken, dafür brauchen wir nicht aufzusteigen.
Mit nunmehr vier Punkten Rückstand zum dritten Platz erübrigt sich auch so langsam die Diskussion darüber. Schade, es wird sich sicher nicht vermeiden lassen, dass nun gute, lieb gewonnene Spieler sich einen Erstliga-Club suchen werden, aber der Rest wird sich dann neu formieren und von Anfang an guten Fußball in der Zweiten Liga spielen, davon bin zumindest ich überzeugt. Die Verantwortlichen werden nun die Eintrittspreise noch mal nach unten korrigieren müssen um genügend Zuschauer ins Stadion zu bekommen.
Das bedeutet für mich, dass ich, wenn ich im Februar 70 Jahre alt werde, mir sicher eine Sitzplatzkarte auf der Gegengeraden leisten kann. Darauf kann man sich doch schon mal freuen, oder? Aus Gesprächen darüber weiß ich, dass es etliche Symphatisanten gibt, die mit dieser Option liebäugeln. Ich werde also sicher dann nicht alleine da sitzen.
Dass das Spiel in Koblenz wieder ein typisches Auswärts-Spiel war habe ich schon gesagt. Dass wir verdient verloren haben, möchte ich aber nicht sagen. Koblenz hat es ebenso wenig verdient wie wir. Also warum dann nicht wir? In der Hinrunde „hatten“ wir des Öfteren dieses Quäntchen Glück, was eben zum gewinnen nötig ist.
Also zum Schluss noch einen Plastikbecher alkoholfreies Bier und eine dieser hervorragend guten Bratwürste und ab in den Bus. Vielleicht sollte ich noch auf die Aktivitäten in der Halbzeitpause zu sprechen kommen, denn diese waren mit Freiburger Beteiligung. Ein Torwandschießen welches von einem dortigen Unternehmen gesponsert wurde ging unter Beteiligung einiger Publikumslieblinge über den Rasen. Orsi als Torwart, nicht unbedingt ein Bringer. Aber Kai-Uwe als Schütze, er hat getroffen und Ihr könnt es auf dem Bild sehen, wie sehr er sich darüber gefreut hat.
Die Rückfahrt verlief ruhig, zügig und geordnet, jedoch nicht ohne den mittlerweile üblichen Zwischen-Stopp in einem Mac oder Burger. In Emmendingen angekommen hat mir mein Freund die Überlegung, soll ich ihn fragen ob er mit nach Hause will, oder nicht, freundlichst abgenommen indem er rasch und wortlos den Heimweg unter seine Hufe genommen hat. War auch gut so, braucht man schon nicht auf irgendeine Gegenleistung hoffen. Nachdem ich ja fast wegen eines blöden Termins nicht hätte mitfahren können, bin ich trotz des miserablen Spiels froh, dass ich dabei war und Ihr, meine Freunde, könnt „nur“ meinen Beicht lesen, der sich, wie alle meine Berichte, deutlich mehr um das Drum Herum als um das eigentliche Spielgeschehen dreht.
Aber, Hand aufs Herz, wer will schon mehr vom Spiel lesen, als in unserer tollen Tages-Presse darüber zu lesen ist. Ich nicht. Und, schaut Euch, wie immer, meine Bilderauswahl an. Sicher wird de ein oder andere die ein oder andere wieder erkennen und sagen. Schau an, die/der auch.
Bis zum nächsten Mal, Euer Schriftführer Jochen Knoll