„Wer eine Reise Tut, der kann auch was erleben.“ (ich glaube Friedrich Schiller) Ein alter aber inhaltsträchtiger Spruch. Oder wusstet Ihr bereits, dass „keine Sau“ in Europa die österreichische Nationalmannschaft kennt? Oder noch viel bedeutsamer, aber ich glaube, historisch nicht eindeutig belegt) Sissi, die Kaiserin, war auch eine Hure? Solche und ähnliche Schmeicheleien trugen zu einer ausgesprochen harmonischen Stimmung im Ernst Happel-Stadion bei und das bereits lange vor Spiel-Anpfiff. Ähnliche Anzüglichkeiten von Seiten der Österreicher gab es ebenfalls zur Genüge, jedoch erheblich wirkungsloser, denn viel verstehen konnte, zumindest ich, ob der etwas eigenartigen Tonlage nicht. Aber von vorne. (ich weiß, ich neige zuweilen zu langatmigen Vorspannen)
Abfahrt in Freiburg um 21 Uhr. In Freiburg waren wir zu zehnt. Die üblichen Stationen und Prozedere. Im „Knaddly-Land“ werden nicht nur schier unvorstellbare Mengen diverser Biersorten gebunkert, sondern auch die erlauchten Häupter, die ja eigentlich das Rückrat der Supporters-Vereinigung bilden und die mit Damen und Herren nebst dem wohl nötigen „Zubehör“ leicht das vordere Drittel eines Busses belegen und auch auslasten hinzu geladen. (Selbst ein bekannter szenekundiger Beamter in Zivil gab uns die Ehre.) Weitere Aufnahmestellen sind so bekannte Orte wie z.B. das Offenburger Ei, der Hauptbahnhof von Karlsruhe, ein markanter Punkt sowohl in Mannheim als auch in Nürnberg und so kommen dann mit einem 60er Bus, von Bär und Co. gesteuert, immer so etwa 55 bis 58 Fans zu den Austragungspunkten. Dieses Mal war es Wien, wo wir am Mittwochmorgen, so gegen 10.15 Uhr bei schönstem Wetter ankamen. Die Hinreise, vorwiegend im Dunkel wurde höchst unterschiedlich genutzt. Am wenigsten leider zum Schlafen. Das lag vorwiegend an einer Gruppe wackerer Karlsruher, die nach reichlichem Genuss eben jener Biere sich leider nur noch einen Satz und einen dazu passenden Refrain merken konnten. Der ging ungefähr so; „Allee, Allee, Allee, eine Strasse, viele Bäume, das ist eine Allee.“ Diesen einprägsamen Kanon hörte ich, ich schwöre es, mindestens 300-mal auf dieser Reise und 200-mal davon in anderer Tonlage und anderer Lautstärke. Wer, wie ich, auf der Fahrt nach London bereits schon das Vergnügen ihrer Bekanntschaft gemacht hatte, der war nicht sooooooo überrascht, aber der Erfolg ihrer „Bemühungen“ fand ungerechter Weise nicht bei allen Beteiligten den gebührenden Respekt. (nur die Unannehmlichkeiten eines Raucher-Busses wurden öfters kritisiert)
Aber, wir sind angekommen, wir hatten schönes Wetter und wir waren voller Tatendrang. Schnell formieren sich da immer die fast gleichen Trüppchen zusammen und wollen „Unterschiedliches“ erleben. Wir z.B. träumten von einer Stadtbesichtigung mittels eines typischen österreichischen Fortbewegungsmittels, einem „Viaker“. Das ist eine von Pferden gezogene, offene Kutsche und wir stellten uns das sehr romantisch vor. Bis zur Ansicht der langen Schlangen der verschiedensten Formen, Farben, Größen und Beschaffenheiten dieser Gefährte. (der von allen ausgehende intensive Geruch schmälerte bereits das aufkommende Verlangen) Eines jedoch hatten sie alle und das war auch überall gleich. Nämlich geradezu unverschämt hohe Preise. Eine sog. kleine Rundfahrt, ca. 25 Minuten, für 40 Euro und mehr oder eine große Rundfahrt, ca. 45 Minuten, (was wird da wohl in so kurzer Zeit schon angefahren werden können?) für mindestens 90 Euro. Freundliche „Einheimische“ machten uns darauf aufmerksam, dass es schöner, billiger und unterhaltsamer sei, einfach die Straßenbahnlinie 1 zu nehmen, die sich durch die gesamte Innenstadt schlängelt und an interessanten Punkten aussteigt, alles macht, was man tun will und mit der nächsten Tram weiterfährt. Was wir dann auch taten.
Für 5.40 Euro erstanden wir ein Tages-Ticket für Busse U-Bahn und Straßenbahn und waren dadurch total mobil.
Ich war noch nicht in Wien. Wien hat mich einfach nur total fasziniert. Da scheint im Krieg nicht allzu viel kaputtgegangen zu sein. So viel Protz und Prunk für total normale Einrichtungen wie z.B. Museen, Schulen, Rathäuser uns andere öffentlichen Gebäude. Ich kann Euch versichern, ich bin teilweise staunend mit offenem Mund davor und darin gestanden. Auch wenn ich es nicht bis zu den höchsten Höhen, also zu Sissis Lustschloss geschafft habe, hat mich die Gestaltung und die Ausmaße der Parkanlagen fast überwältigt. Ihr müsst Euch die Bilder anschauen, obwohl die natürlich nicht annähern den Eindruck wiedergeben können, den das Ganze auf mich gemacht hat. Zwischen rein eine zünftige „Jause“, wobei weder das berühmte „Wiener-Schnitzel“ noch die „Sacher-Torte“ fehlen durften. (beides hat mich nicht direkt vom Hocker gehauen. Ich zumindest habe keinen nennenswerten Unterschied zu „unseren“ in Deutschland angebotenen gleichnamigen Produkten gefunden)
Zwischenzeitlich dann auch bald später Nachmittag, reichlich schmerzhafte Knie und Rücken und auch Zeit, die eigentlichen Eintrittskarten mittels der zuvor ausgegebenen Belege mit den persönlichen Daten und Kennnummern einzutauschen. Leider gab es dieses Mal keinen Pin, der als Trophäe an der Mütze getragen werden kann, um Daheimgebliebene neidisch werden zu lassen. Gab`s auch leider nicht anderweitig zu kaufen. Daher wenigstens einen „Erinnerungs-Schal“ mit Tagesdatum für stolze 15 Euro. Sagte ich es schon, Österreich ist schei.. teuer. Also rein in die öffentlichen Verkehrsmittel zusammen mit irrsinnig mitteilsamen Einheimischen. (sie wussten alles und alles besser und wollten das auch immer und überall zur Schau stellen) Danach zum vorher vereinbarten Bus-Standort um Gekauftes abzuladen und nun Nötiges zu holen. Die Busse (es waren imponierend viele) alle schön in Sichtweite des wahrlich imposanten Stadions. Wer sich die Münchner Arena vorstellt,…. mindestens das Doppelte. Wer, wie ich, damals zum legendären Spiel mit unserem SCF im UEFA-Cup mit in Rotterdam war, hat eine annähernde Vorstellung. Unsere Kartenkontingente lagen alle im dritten Rang. Tolle Sicht, aber derartig steile Treppen, dass Euer braver „Berichter“ es fast nicht schaffte, diese steilen Anlagen zu erklimmen. Ich muss leider zugeben, selbst ich werde älter und bin nicht mehr so sehr belastbar. Also, ein riesiger, imponierender Zweckbau mit einem Fassungsvermögen von 60.000 Plätzen. Schön, modern, gut ausgeleuchtet, enorm laut und bestückt mit einem selten blöden, arroganten Stadion-Sprecher, der sich keinen Moment lang in die Lage der ca. 2000 angereisten Gäste versetzt hat. Ihr wisst, was ich zu solchen Menschen sage. Das war halt eben einfach ein „A…“ Trotzdem eine tolle Stimmung und ein total lockeres Zusammensein unter den deutschen Fans.
So langsam sollte ich vielleicht auch irgendeinen Kommentar zu dem eigentlichen „Geschehen“ sagen. Ihr wisst es ja, da halte ich mich meistens höflich zurück, denn das können andere „Berichterstatter“ mit Sicherheit besser. (Vorab-Info, die Österreicher stehen in der Weltrangliste auf Platz 90, wir dagegen auf Platz 3) Also einfach in meinen Worten;“ die Österreicher haben nach ihren Möglichkeiten ihr Bestes gegeben. Die Deutschen waren, zumindest in der ersten Halbzeit, gar nicht vorhanden. Einen so herbeigesehnten Torwart, oder einen so hoch gelobten Spielmacher. Ich sage Euch, jeder von uns hätte das gekonnt und sicher besser gemacht. Hätten die Deutschen nicht, was weiß denn ich warum, immer dieses sprichwörtliche Glück, sie wären sie mir 3:0 zur Halbzeitpause in die Kabinen gegangen. So stand es eben beim Wieder-Anpfiff noch unentschieden und wie „Wunder“ bekamen unsere den Ball dreimal in`s gegnerische Tor. Endergebnis also 0:3, aber wer daraus voreilige Schlüsse gezogen hat, dem empfehle ich die Lektüre unserer Badischen Zeitung vom heutigen Freitag. Es gibt wahrlich keinen Grund die Nase zu heben und wenn der Herr Lehmann lieber weiter in England spielen will, genau so wie der Herr Ballak, dann sind wir gut beraten, wenn wir sie nicht daran hindern. Das ist natürlich nur meine unmaßstäbliche Meinung und sollten ähnliche Gedanken von „Experten“ nicht beeinflussen. Erstaunlicher Weise brauchten wir die bei solchen Anlässen gerne polizeilich angeordnete Wartezeit nach Spiel-Ende nicht wahrnehmen, denn unsere Freunde hatten bis dahin fast komplett das Stadion verlassen. Bereits beim 0:2 begann der Strom der österreichischen „Lemminge“ und brach von da an nicht mehr ab. Auch gut, oder?
OK. Unser Bus war, wie gesagt, gleich nebenan geparkt. Kein Grund zum längeren Verweilen, sodass wir bereits um 23.15 Uhr gen Deutschland abgereist sind. Die Rückreise erwartungsgemäß deutlich leiser, wenn auch vereinzelte Versuche unseres Unterhaltung-Team`s unternommen wurden, die schöne Stimmung von der Hinreise wieder aufzunehmen. Dieses Mal übermannte sie Gott sei Dank der Schlaf und so war es bis zum Frühstück, bereits wieder auf deutschem Boden, rellatiev ruhig im Bus. Auch ich, der ja bekanntlich das Privileg hat, eine Bus-Reihe für sich alleine zu haben, (natürlich nur wegen des biblischen Alters und der übermäßig langen Beine, also bitte keinen Neid, ich wäre viel lieber jünger und knochenmässig noch heil)) viel zumindest teilweise in einen unruhigen Halbschlaf, der mich erst so gegen 6 Uhr, eben zum Frühstück, richtig wach werden ließ. In gewohnter Manier, vom Bär erwartet man das, eilten wir gen Freiburg, was wir früher als geplant auch sicher erreichten. Das einzige, was da dieses Mal im Bus nicht ganz in Ordnung war, war das Bord-Mikrophon. Das nutzte unser wackerer Busbegleiter, der ja eh schon eine Stimme hat, die nur Einheimische problemlos verstehen können, weidlich aus, um uns mit einer wahren Flut von Info`s und Neuigkeiten zu überschwemmen, von denen, zumindest ich, dieses Mal überhaupt kein Wort verstanden habe. Aber seine Bemühungen wurden trotzdem ausreichend beklatscht.
Mein Fazit: Es war zwar eine lange, teuere, anstrengende Fahr in einem Bus, der schon lange auf seine Erneuerung wartet, aber es war schön und ich bin glücklich, dass ich dabei sein konnte. Übermorgen geht es nun nach Paderborn, auch eine lange Reise, aber davon berichte ich später.
Schaut auf meine Bilder und seid neidisch.
Bis bald mal wieder, Euer Schriftführer Jochen.