Auswärts mit der 2. Mannschaft beim TSV Crailsheim

Einige Wenige, aber dafür höchst beständige SC-Fans gehen nicht nur regelmäßig zu den Spielen der ersten Mannschaft ins Badenova-Stadion, sondern auch ins Mösle zu den Amateuren. Nachdem klar war, dass es nichts geworden ist mit dem Aufstieg, konzentrierte sich natürlich alle Aufmerksamkeit auf unsere Amateure. Die hatten in der Vergangenheit kontinuierlich an ihrem Aufstieg gearbeitet. Es war ziemlich sicher, dass dieser beim letzten Auswärtsspiel in der Rückrunde eben in Crailsheim errungen werden könnte. Also machte sich ein munteres Häuflein zuversichtlich und von der Supporters-Crew vorbildlich betreut gegen Mittag auf den Weg. Unser Bus war (fast) voll. Will sagen, nach einigem hin und herrücken hatte ich wieder meine Bankreihe für mich. Danke Helen. Eine von Anfang an sehr gemischte, zuversichtliche, fröhliche, und hoffnungsvolle Truppe ließ es sich im Bus gut gehen. Ein bisher noch unbekannter Bus-Fahrer entwickelte sich zu einem richtigen Kumpel, der mit Taktik und dem richtigen Tonfall alles, aber auch alles im Griff hatte. Unterwegs erfuhren wir via Handy, dass die dortige Polizei uns bereits lange vor Crailsheim, noch auf der Autobahn, in Empfang nehmen wollte. Wer hätte gedacht, dass zu so einem „Ereignis“ überhaupt verstärkt Polizeikräften nötig sein würden. Wir haben uns getäuscht. Man sagt mir ja nach, ich hätte eine etwas blumenreiche Sprache, die manchmal zu Übertreibungen neigt. OK, das liegt mir halt besser. Aber was ich jetzt versuchen werde, Euch nüchtern zu schildern glaubt mir eh keiner. Dazu sind schon die anhängenden Bilder als Beweis nötig. Also, „ein“ Bus mit Freiburg-Fans zu einem Spiel ihrer Amateure auf `s finstere Land. Unterwegs nicht nur Pkws der Polizei, sondern schon Mannschaftswagen. Wir wurden unmittelbar vor das Spielfeld geleitet. Die am Feld vorbeiführende Strasse war mit Mobil-Zaun einfach quer abgeteilt und das bis ins Gelände hinein. Es gab also eine rechte Seite für ca. 180 bis 200  Crailsheimer Anhänger und die gesamte linke Seite für die ca. 100 bis 110 angereisten Freiburg-Fans. Einige sind mit dem privaten Wagen angereist, andere mit einem Kleinbus vom Heizmann und eben noch der Supporters-Bus. Wir hatten drei „Stadion-Verbotler“ im Bus und als diese brav vor dem Stadion den Bus verlassen wollten, wurden sie bereits eskortiert und durchsucht. Wenn ich es nicht selber gesehen hätte…

Es waren zu diesem Ereignis mindestens 45 bis 50 Polizisten mit Schutzanzügen und Holzknüppeln angetreten. Sie standen permanent Spalierartig überall herum und man merkte ihnen deutlich an, dass sie auch nicht so recht wussten, wie man mit friedlichen, ruhigen gesitteten Fans irgendetwas hätte anfangen können. Also klärten sie, dass die drei Verbotler nicht mit rein durften, aber auf der Zaun-Außenseite das Spiel verfolgen durften. Ab und zu gingen daher einige von uns zu ihnen, um zu diskutieren. Eine ganze Reihe von Polizisten, zum Teil mit Hunden und etliche Ordner haben dabei verhindert, dass wir dem Zaun zu nahe kamen bzw. in irgendeiner Form Kontakt zu den Außenstehenden aufnehmen konnten. Auf Nachfrage teilte man mir mit, „die können Euch doch unerlaubte Dinge zustecken“. Was eine Aussage, welche Tragweite, ich habe die Welt nicht mehr verstanden. Selbst bei Länderspielen, z.B. in Italien habe ich mich nicht so eingeengt gefühlt. Leider hat eben keiner, KEINER den Herren einen Anlass zu irgendeinem Eingreifen gegeben. Wir durften halt nicht auf die dem Spielfeld Vorgelagerte Tartan-Laufbahn. Das wurde von Securiti-Leuten im 10 Meter Abstand kontrolliert.

En eben diesem Abstand standen da einsam und unbenutzt große Eimer rum, da man wohl damit gerechnet hat, dass jeder von uns mindestens eine Rauchbombe durch die Kontrolle gebracht hat. War wieder nicht, eigentlich nur lächerlich. Versteckt hinter einem Trafo-Häuschen im Rücken der furchtbaren Freiburg-Fans dann noch zwei mit einer Kamera, die das Ganze  auch noch per Film aufgenommen haben. Ich sag`s Euch, die haben nichts ausgelassen. Bis hin zum alkoholfreien Bier aus Plastikbechern war das ganze Programm da.

Allerdings gut überschaubar mit einem Stand auf „unsere“ Seite und einem weiteren auf der hermetisch abgeriegelten anderen Seite. Bei Spielende waren dann wohl alle ziemlich frustriert.
Ein Höhepunkt war dann noch, dass Ordner und Polizei die Absperrung quer über die Strasse aufrecht erhielten und die armen Einheimischen daran hinderten einfach nur wieder nach Hause zu gehen. Das durften sie erst, nachdem beide Busse unter Eskorte den Platz verlassen hatten. Die Erregung bei den Leuten war deutlich und auch verständlich. Ich hatte die Gelegenheit, mit einem Polizisten, der da wohl die Leitung hatte, zu reden. Seine Aussage hat die ganze Situation aus einem anderen Licht betrachtet gesehen. Ich zitiere im Original-Ton.
„Einige Szenekundige Beamte aus Freiburg (SKB´s ) hatten im Vorfeld mitgeteilt, dass ein Bus  z.T. gewaltbereite Fans und Stadion-Verbotler mitreisen würden und um kein Risiko einzugehen hätte man sich zu diesem „Aufgebot“ entschieden.  Wie gesagt, es gab keine Zwischenfälle und es darf ruhig darf über spekuliert werden, was ein solcher Aufwand an Kosten verursacht. Ich weiß natürlich nicht, wer von uns sich im Falle einer Niederlage zu Bestien verwandelt hätte. Werde ich auch nicht erfahren, denn wir haben gewonnen. Verdient, souverän und locker. Wir sind vorzeitig aufgestiegen und werden am Samstag im Mösle noch um die Meisterschaft spielen, Wenn das nicht super ist. Es kann zwar nicht den Verlust der ersten Mannschaft ausgleichen, aber, glaubt es mir, alle die da dabei waren werden sicher auch zum letzten Spiel ins Mösle kommen. Was für ein Abschluss? Was für eine überschäumende Freude. Jeder hat jeden in den Armen gehalten, jeder hat lauter gesungen und wer gemeint hat, dass es nicht geht, der hat den Trainer Carsten Neizel zuschauen können, wie er die „Humba“ angeführt hat.
Zwar nicht so locker, aber er hat.

Wer glaubt, dass die „Raupe“ ein Höhepunkt ist, der hat selbige noch nicht zusammen mit den Fans gesehen. Es war einfach alles nur super. Die Rückfahrt eigentlich so wie immer, wenn man an die Stopps im McDonalds denkt, aber eben dann doch nicht so wie immer. Wann hat man denn schon zum zigsten Mal über einen Aufstieg singen können? Ich war froh, dabei gewesen zu sein und, wenn Ihr zu meinem Bericht Euch noch die Bilder reinzieht, dann ist es fast, als wäret Ihr selber dabei gewesen. Vielleicht ja das nächste Mal wirklich. Wäre doch was, oder? Samstag im Mösle. Man sieht sich, gell.

Bis dann Euer Schriftführer Jochen Knoll
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